Rezensionen

Fredrik Backman: Ein Mann namens Ove

14. August 2016

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Jeden Tag steht Ove exakt um 5.45 Uhr auf, um in der Nachbarschaft zu überprüfen, ob alles mit rechten Dingen zugeht. Das Einhalten von genauen Tagesabläufen und Regeln nimmt bei ihm fast schon pedantische Züge an. Wer sich in seinem Umfeld nicht an die Vorschriften hält, bekommt das ziemlich schnell zu spüren und von Ove unter die Nase gerieben. Dass vor einem halben Jahr seine Frau verstorben ist und er darüber hinaus auf der Arbeit scheinbar nicht mehr gebraucht wird, setzt ihm zusätzlich zu. All das führt dazu, dass er nach Möglichkeiten sucht, sich vom Leben zu verabschieden, um endlich wieder bei seiner geliebten Frau zu sein. Irgendwie kommt aber immer irgendwer oder irgendwas ungewollt dazwischen, was ihn zwischendurch schier zur Weißglut treibt. Ove hätte mir durch seine verbissene und griesgrämige Art auf den ersten Blick unsympathisch sein müssen. Seine Ernsthaftigkeit ist dabei nicht mal das Schlimmste. Viel unangenehmer ist seine scheinbar negative Einstellung zu allem und jedem. Dass er Menschen meistens sofort böse Absichten unterstellt. Und das ohne sie überhaupt zu kennen. Theoretisch kann einem das ganz schnell auf die Nerven gehen. Ist es aber komischerweise gar nicht!

Fredrik Backman schafft ein vollkommen anderes Gefühl für Ove. Anhand von eingestreuten Rückblicken in die Vergangenheit zeigt er, unter welchen Bedingungen Ove aufgewachsen ist. Wie er erzogen wurde und was er alles durchlebt hat. Welche Erfahrungen er machen musste. Und vor allem wie daraus der Mensch geworden ist, der er heute ist. Warum er die Ansicht vertritt, dass es im Leben darauf ankommt Verantwortung zu übernehmen. Warum Zuverlässigkeit für ihn besonders groß geschrieben wird. In jeglicher Hinsicht. Für ihn ist es wichtig eine sichere Arbeitsstelle zu haben, ein solides Haus zu besitzen und einen Saab (eine andere Automarke kommt ihm nichts ins Haus) in der Garage stehen zu haben. Eine bezaubernde Frau, die ihn so liebt wie er eben ist, hat all das perfekt gemacht. Dass für ihn nun das Kartenhaus zusammenstürzt nachdem ihm dieser Halt genommen wurde, ist mehr als verständlich.

Ich habe mich selbst immer wieder bei dem Gedanken „Ach Ove…“ erwischt. Manchmal würde man ihn gerne schütteln und in anderen Momenten einfach nur in den Arm nehmen. Wenn es den Ausdruck „Harte Schale, weicher Kern“ noch nicht gäbe, müsste man ihn speziell für Ove erfinden.

Ein Mann namens Ove hat neben vielen skurrilen, herzensguten Figuren ebenso viele lustige, komische Momente zu bieten, die mich rundum begeistern konnten. Gleichzeitig ist es aber auch viel mehr als ein reiner Unterhaltungsroman. Zahlreiche Sätze musste ich mir während des Lesens anstreichen. Sätze, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen und die voller Wahrheit stecken. Sie schärfen den Blick für das Wesentliche. Mir wird dieser Roman daher noch sehr lange in guter Erinnerung bleiben und ich kann euch nur sagen: Lernt Ove kennen und lieben, falls ihr das noch nicht getan habt!

Ein Mann namens Ove – Fredrik Backman – S. Fischer Verlage – 384 Seiten – ISBN: 978-3-596-19780-4

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