Kurz & Knapp

Joël Dicker: Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert

1. Juni 2016

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Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert von Joël Dicker

Es ist der Aufmacher jeder Nachrichtensendung. Im Garten des hochangesehenen Schriftstellers Harry Quebert wurde eine Leiche entdeckt. Und in einer Ledertasche direkt daneben: das Originalmanuskript des Romans, mit dem er berühmt wurde. Als sich herausstellt, dass es sich bei der Leiche um die sterblichen Überreste der vor 33 Jahren verschollenen Nola handelt und Quebert auch noch zugibt, ein Verhältnis mit ihr gehabt zu haben, ist der Skandal perfekt. Quebert wird verhaftet und des Mordes angeklagt. Der einzige, der noch zu ihm hält, ist sein ehemaliger Schüler und Freund Marcus Goldman, inzwischen selbst ein erfolgreicher Schriftsteller. Überzeugt von der Unschuld seines Mentors – und auf der Suche nach einer Inspiration für seinen nächsten Roman – fährt Goldman nach Aurora und beginnt auf eigene Faust im Fall Nola zu ermitteln …

Was hat mir gefallen/nicht gefallen?

+ Harry und Markus stehen als Schriftsteller im Zentrum des Geschehens. Durch diese beiden Figuren kommt die Beziehung zwischen Autor und dessen Mentor besonders gut zur Geltung. Was kann man von anderen alles lernen? Und wie setzt man all diese geteilten Erfahrungen in eigenen Geschichten um ohne sich selbst zu verbiegen? Am Anfang jedes Kapitels stehen ausgewählte kurze Gesprächsfetzen, die wertvolle Botschaften von Harry Quebert an Markus enthalten.

+ In Zusammenhang mit dem ersten positiven Aspekt steht auch der angedeutete Einblick in die Buchbranche. Viele Autoren träumen verständlicherweise davon ihre Werke mit anderen Menschen zu teilen. Einige von ihnen möchten nicht nur schreiben, sondern auf dem Buchmarkt für Aufsehen sorgen oder etwas bewegen. Am Beispiel von Markus wird schnell deutlich wie schwer es sein kann in der Buchbranche erfolgreich zu sein. Vor allen Dingen zeigt es aber auch wie hart dich nach einem überraschenden Erfolg ein Tiefschlag treffen kann. Nicht selten ist eine Schreibblockade die Folge.

+ Es findet ein konsequenter und regelmäßiger Wechsel zwischen Ereignissen der Gegenwart/Vergangenheit statt. Außerdem gewährt der Autor einen Blick auf verschiedene Standpunkte indem er die Geschehnisse aus der Sicht unterschiedlicher Charaktere erzählen lässt. Das hat die Geschichte, zumindest zunächst, abwechslungsreich wirken lassen.

+ Mich hat der lockere, unkomplizierte Schreibstil gleich angesprochen. Ich fühlte mich bereits auf den ersten Seiten gut aufgehoben und bestens unterhalten. Dieses fast schon euphorische Glücksgefühl, wenn man ein gutes Buch in den Händen hält, kennt vermutlich jeder Leser.

Das hat irgendwann leider rapide abgenommen. Die Handlung drehte sich gefühlt nur noch im Kreis und hat kaum Fortschritte gemacht. Es wurde nicht aus der Sicht von Kriminalbeamten ermittelt, sondern es war vor allem Markus, der dem ganzen auf die Spur gehen wollte. Diese eigentlich viel spannendere Sichtweise geriet aber dennoch ab einem gewissen Zeitpunkt ins Stocken. So haben sich die „Ermittlungen“ eher in die Länge gezogen. Am Anfang konnte ich es kaum aus der Hand legen. Später viel es mir hingegen immer schwerer das Buch wieder in die Hand zu nehmen.

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert – Joël Dicker – Piper Verlag – 736 Seiten

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